Tres Unidos Footbridge Project


Newsletter Ausgabe 3, Juni 2006


Zweite Reise nach Peru: Erics Reisebericht
Überarbeitetes Design und Detaillösungen
Fundamente und Widerlager
Finanzierung


zum ersten Newsletter
zum zweiten Newsletter



Zweite Reise nach Peru: Erics Reisebericht

Ich war gespannt, ob sich die vielen Gedankenspiele der letzten Monate wirklich eignen, quasi ferngesteuert eine Hängebrücke von über 70 m Spannweite bauen zu lassen - von Leuten die nach unserem Ermessen keine Ahnung von einfachsten Bauprinzipien haben.

Das nötige Material für die Brücke konnten Damaso und ich problemlos beschaffen. Was sich allerdings als Problem herausstellte, war die Art der Bezahlung. Trotz Zoe’s Hinweis „cash is king“ hatte ich keine Geldbündel mitgenommen, sondern meine Hoffnung in mehrere Sorten „Plastikgeld“ gesetzt. Ich war sicher, in Lima bzw. Tarapoto, wo es zahlreiche Banken gibt, genügend Bargeld abheben zu können. Die Ernüchterung stellte sich schon am ersten Tag ein. Von Hinweisen, dass meine Kreditkarten gar keine sind, bis hin zur Behauptung, dass gar kein Geld vorhanden ist, hörte ich jede Entschuldigung. Am Ende gelang es, mit regelmäßigen kleinen Abhebungen die nötigen Summen zu beschaffen. 

Normalerweise überquert man nach zweistündiger Fahrt auf einer Schotterpiste mit einem Einbaum oder einem etwas größerem Boot einen großen Zufluss zum Amazonas, um dann auf der anderen Seite mit sogenannten „Motokarros“ nach Tres Unidos zu gelangen. Der LKW mit dem Material dagegen benötigt ca. zehn Stunden. Zuerst muss er weit flussaufwärts den Fluss queren, um dann wieder flussabwärts in das Tal von Tres Unidos zu gelangen. Damaso und ich wählten die Kurzvariante und trafen bereits erste Absprachen im Dorf, als der Bürgermeister auf unsere Bemerkung, der LKW müsse bald kommen, beiläufig mit einem knappen aber bestimmten „Der kommt nicht!“ antwortete.

Es stellte sich heraus, dass eine bestimmte Passage der Straße nach Regen nicht passierbar war. Also eilten wir zu Hilfe. Erst nach dem Ab- und Umladen des LKW’s konnte der Abschnitt passiert werden und wir hatten unser Material im Dorf. 

Die Ungeduld der Bewohner, was den Start der Arbeiten anging, spricht für sie. Selbst Damaso war von dieser Ungeduld geprägt und drängte auf einen baldigen Beginn der Aushubarbeiten. Leider hatten wir noch nicht einmal die Umrisse der Baugruben abgesteckt, geschweige denn die Mittellinie der Brücke ermittelt und so erübrigte sich der Beginn in Ameisenmanier.

Nach einigen Erklärungen, Überzeugungsarbeit und unter Zuhilfenahme der wunderbaren Zeichnungen von Roland Weber wurde dann jedem klar, dass es ohne Vorbereitung nicht ging. Also halfen alle mit ebenso großem Enthusiasmus beim Vermessen, obgleich keinem so richtig klar war, was wir dort taten. Beeindruckt hat mich die Lernwilligkeit und –fähigkeit. Die Notwendigkeit von markanten Vermessungspunkten für spätere Vermessungsarbeiten haben die meisten jetzt wohl verstanden. Danach konnte endlich mit den praktischen Arbeiten begonnen werden und von Kindern bis Greisen wurden Spitzhacken geschwungen.

Endlich war auch Zeit, den ersten Bewehrungskorb als Muster zu bauen. Schnell waren vom lokalen Schweißer, der mit einem abenteuerlichen Schweißgerät arbeitet, die nötigen Biegewerkzeuge hergestellt. Das Erstaunen darüber, wie schnell so ein Korb entsteht und was einfache Drahtdiagonalen bewirken können, um den Korb zu stabilisieren, war groß. 

Neben der horizontalen Vermessung der Fundamente stand vor meiner Rückreise noch ein entscheidender Punkt auf der Tagesordnung – das Nivellement. Auch wenn die Brücke relativ unempfindlich gegenüber Höhenunterschieden in den Fundamenten ist, ist eine Anpassung der Höhen doch ein wichtiger Aspekt.

Nun hatte ich nicht mehr daran gedacht, dass ich bei meinem ersten Besuch im Januar 2006 die ersten Vermessungsarbeiten mit dem Laser durchgeführt hatte. Nicht so die Dorfbewohner. Jeder fragte mich, wo nun der Laser sei, denn nur mit diesem wäre ja der Brückenbau möglich. Wie gut, dass wir unser technisches Konzept ausschließlich auf einfachste und vor Ort erhältliche Methoden ausgerichtet haben!

Nun ist „einfach“ aber relativ. Ich habe gehofft, eine 100 Meter lange Schlauchwaage gehört zu den einfachen Dingen. Die Probleme, die wir dann damit hatten, hätte ich nicht absehen können. Trotz Demonstration an einem 2-Meter-Stück konnten sechs meiner Helfer selbst nach anderthalb Stunden die verbliebenen 98 Meter Schlauch nicht mit Wasser aus dem Fluss füllen. Warum, kann ich bis jetzt nicht sagen, auf alle Fälle habe ich mir dann mit einem Trichter geholfen und das Nivellement konnte beginnen.

Die Höhenmarken haben wir an Bäumen festgehalten und damit war meine Arbeit vor Ort getan. Bis zum nächsten Besuch im August.

zu den Fotos meiner zweiten Reise
 



Überarbeitetes Design und Detaillösungen
 

Mit dem Beginn der Bauphase haben sich kleine Änderungen in der technischen Planung ergeben und gleichzeitig haben sich Detaillösungen herauskristallisiert.

Nach dem erneuten Vermessen mussten wir die Brückenlänge von 64 auf 72 Meter korrigieren. Prinzipiell hat dies keinen weiteren Einfluss, denn die Statik ist so ausreichend bemessen, dass diese Längenänderung nicht ins Gewicht fällt. Allerdings bestätigt es unsere Entscheidung, auf ein geändertes Design der Pylone auszuweichen.

Schon im Vorfeld hatten wir überlegt, ob unsere ursprüngliche Variante bei der vorgesehenen Brückenlänge ausreichend kippstabil ist. Da wir aber auf zusätzliche Abspannungen verzichten wollten, um möglichst wenige wartungsanfällige Verbindungen zu schaffen, war die Aussteifung des vorgesehenen Rechteckes unsere favorisierte Lösung (siehe Variante rechts).

Hinweise von einigen erfahrenen Ingenieuren aus unserem Kundenkreis haben uns dann jedoch veranlasst, doch noch auf eine andere Konstruktionsvariante auszuweichen. Jetzt werden die Pylone durch jeweils zwei weitere Stämme gestützt, die schräg weglaufen. Dies erfordert zwar ein vergrößertes Fundament, das jedoch relativ einfach auszubilden ist.

Geklärt haben wir inzwischen auch eine der wichtigsten Detaillösungen – die Anbindung der Holzpylone an die Fundamente. Da die Brücke eine Weile halten soll, dürfen die Stämme nicht in direkte Berührung mit Erde oder Beton kommen, sie würden sonst über kurz oder lang wegfaulen. Wir haben uns daher entschieden, das Holz auf einem Metallschuh aufzuständern.

Dazu lassen wir in Tres Unidos ein t-förmiges Element schweißen, das mit vier starken Bewehrungseisen in das Fundament gegossen wird. Der Pylon wird in der Mitte geschlitzt und auf das T-Eisen gesetzt und mit kurzen Stücken Bewehrungseisen verbolzt. Auf diese Weise ist der Pylon nicht nur gegen Kippen gesichert sondern kann auch Zugkräfte aufnehmen.

Auch hier gab es ursprünglich eine andere Überlegung. Wir wollten auf die Metallelemente verzichten, da wir nicht sicher waren, ob sie in unser Konzept der Nachhaltigkeit passen – sprich, ob sie für einen Nachbau der Brücke nicht zu teuer, zu aufwändig und zu wartungsanfällig sind. Statt dessen gab es die Überlegung, das Fundament in einer Art Hügel auszubilden, in dessen Kuppe ein Stein eingelassen ist, auf dem der „ausgehöhlte“ Pylon aufliegt. Davon sind wir wieder abgekommen, da es zum einen keine ausreichende Kippstabilität gewährleistet (fehlende Verbindung zum Fundament, die auf Zug beansprucht werden könnte) und zum anderen nicht sichtbar ist. Jeder würde später denken, der Pylon ruht nur auf dem Betonhügel, was fatale Auswirkungen bei einem Nachbau haben könnte.




Fundamente und Widerlager

Mit dem Start der Bauphase in Tres Unidos begannen die Arbeiten an den Widerlagern und Fundamenten für die Brücke. Zugegeben, es hat uns schon ein wenig überrascht, wie groß die Erdmenge sein wird, die dazu bewegt werden muss. Allein die Baugrube für das Widerlager hat das Ausmaß eines ansehnlichen Swimmingpools.

Wir haben lange hin und herüberlegt, wie wir eine möglichst geringe Größe erreichen. Da jedoch alles in Handarbeit ausgehoben wird, darf eine gewisse Tiefe nicht überschritten werden, damit die Wände nicht über den Arbeitern einstürzen. Zusätzlich durfte der höchste Hochwasserspiegel nicht unterschritten werden, da das Widerlager sonst bei Anstieg des Grundwasserspiegels unterspült werden könnte. Also blieb nur der Weg, fehlende Tiefe und damit fehlenden Erddruck von oben durch eine entsprechende Breite auszugleichen.

Damit beim Aushub nichts schief geht, haben wir Handskizzen im Comicstyle anfertigen lassen, die die einzelnen Schritte darstellen. Danke an Roland Weber von DSI München, der uns mit seinem Zeichentalent hier hervorragend unterstützt.

Inzwischen haben uns auch schon neue Bilder aus Tres Unidos erreicht, die zeigen, dass es mit den Arbeiten gut vorangeht. Sobald der Aushub abgeschlossen ist, kann das Betonieren des Bewehrungskäfig’ losgehen, der von Eric und den Freiwilligen vorgefertigt wurde. Auch dazu wird es eine Schritt-für-Schritt Anleitung geben, die unser „Projektleiter“ Damaso vor Ort umsetzen muss.




Finanzierung

Ganz vorn angestellt sei der Dank an die Leikra GmbH, die dem Projekt 1.500 EUR gespendet hat. Mit diesem Geld haben wir in Lima alle Stahltragseile und die notwenigen Seilklemmen kaufen können.

Eine aktuell gehaltene Liste der Ausgaben und Kosten findet sich auf unserer Homepage. Wer das Projekt ganz konkret unterstützen möchte, findet hier unsere „Einkaufsliste“, an der sich jeder auch nachträglich noch beteiligen kann.



Alpin Technik und Ingenieurservice GmbH
Plautstraße 80, 04179 Leipzig
team@alpintechnik.de
www.tresunidos.alpintechnik.de